Was ist Forumtheater?
Forumtheater ist eine partizipatorische Theaterform, die in den 70er Jahren in Brasilien durch die Tätigkeit des Regisseurs und Theaterpraktikers Augusto Boal an Bedeutung gewann.
Das Forumtheater löst die Grenzen zwischen Zuschauer_innen und Schauspieler_innen auf und entwickelt in diesem Sinne sog. "Zuschauspieler_innen" (spect-actor). Das Publikum wird aufgefordert, in eine bis zum Krisenpunkt dargestellte Szene zu intervenieren und mit Hilfe von Improvisation einen alternativen Konfliktverlauf aufzuzeigen.
Das Forumtheater stellt neben Legislativem Theater, Unsichtbarem Theater, Statuen-Theater und Zeitungstheater eine Form des Theaters der Unterdrückten dar.
Theater als politische Arbeit
Forumtheater ist für uns nicht nur eine künstlerisch-kulturelle, sondern eine im Kern politische Arbeit. Uns eint der Wille, Ungerechtigkeiten nicht einfach hinzunehmen, sondern mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln politische und soziale Veränderungen zu bewirken. Dabei gehen wir stets von der Perspektive der Unterdrückten aus. Kreative Theaterarbeit, die (Wieder-)Entdeckung unserer Ausdrucksmöglichkeiten und die freie Improvisation eröffnen uns ungeahnte Perspektiven. Sie geben uns die Mittel in die Hand, unsere Körper zu entmechanisieren, Reflexionsprozesse in Gang zu setzen, und gesellschaftliche und persönliche Unterdrückungsverhältnisse aufzubrechen.
Forumtheater ist eine basisdemokratische Methode. Wir sind überzeugt, dass es keine einzig wahre Lösung für gesellschaftliche Konflikte und Unterdrückungen gibt. Deshalb möchten wir allen Teilnehmenden die Möglichkeit geben, in einem Schutzraum eigene Strategien kreativ auszuprobieren.
Im Gegensatz zum konventionellen Theater gibt es bei uns "keine Moral von der Geschicht'", sondern eine Pluralität von Anregungen, Diskussionen und Strategien. Wir zeichnen also keine gesellschaftlichen Veränderungen vor, sondern versuchen, uns selbst und Anderen Unterdrückungssituationen bewusst zu machen und diesen zu begegnen. ..
Unsere Themen
Hauptthemen unserer Theaterarbeit sind Konflikte im öffentlichen Raum, in denen strukturelle Hierarchien und zwischenmenschliche Machtbeziehungen eine dominante Rolle spielen. Konkret beschäftigen wir uns mit Themen wie Rassismus, Flüchtlinge, soziale Ausgrenzung, konfligierende Werte und Identitäten, Vorurteile und Intoleranz.
Unser Verständnis von Unterdrückung basiert darauf, dass wir einzelne Unterdrückungserfahrungen nicht hierarchisieren oder werten.
Aus der Geschichte von rabenschwarz und unseren persönlichen Konflikten und Denkprozessen ergibt sich ein Schwerpunkt auf dem Thema Rassismus. Unabhängig davon, welche gesellschaftliche Position wir einnehmen, gehen wir davon aus, dass wir alle von Rassismus betroffen sind, indem wir entweder strukturell oder persönlich rassistisch ausgegrenzt und unterdrückt werden oder andererseits von einer strukturell rassistischen Gesellschaft profitieren.